Praxis Dr. Metzlaff

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Kastration / Sterilisation

Was ist eine Kastration und wodurch unterscheidet sie sich von der Sterilisation?

Unter einer Kastration versteht man eine chirurgische Entfernung der Gonaden (Keimdrüsen). Damit sind sowohl männliche (Hoden und Nebenhoden) als auch die weiblichen ( Eierstock und ein Teil des Uterus) Geschlechtsorgane. Das bedeutet, dass man sowohl männliche als auch weibliche Tiere kastrieren kann! Sterilisieren wird häuft fälschlicherweise mit dem Kastrieren weiblicher Tiere verbunden. Darunter versteht man jedoch nur ein Abbinden oder Durchtrennen des Samenleiters beim Männchen und des Eileiters beim Weibchen. Sterilisierte Tiere sind also nicht mehr zeugungsfähig, störende Begleiterscheinungen für den Tierhalter wie die Läufigkeit und lästiger Sexualtrieb werden damit aber nicht behoben. In Deutschland wird aus diesem Grund fast ausschließlich kastriert.

Warum sollte ich kastrieren?

Kastrieren sollte man sein Tier dann, wenn man nicht züchten möchte und sein Tier unter den Folgen der Geschlechtsreife leidet.

Beim Rüden sprechen folgende Gründe für eine Kastration:

  • veränderter Hoden/ Hodentumor
  • Kryptorchide
  • Hypersexualität
  • Vermeidung einer benignen Prostathyperplasie

Bei der Hündin:

  • wiederholtes Leiden unter der Scheinträchtigkeit
  • zur Reduktion der Entstehung von Mammatumoren, Ovarzysten, einer Pyometra und Endometritis

Bei der weiblichen Katze:

  • Leiden unter der Rolligkeit
  • Prävention von Ovarzysten, Pyometra, Mammatumoren und Endometritis

Bei dem Kater:

  • Markieren im Haushalt
  • hormongesteuertes Streunern, Revierkämpfe und damit Verletzungen
  • Prävention, an den Infektionskrankheiten FIV und FeLV zu erkranken


Das Risiko für eine unkastrierte Hündin, an einem Mammatumor (Gesäugetumor) zu erkranken, liegt bei ungefähr 25 %. Bei einer Kastration vor der zweiten Läufigkeit kann dieses Risiko auf ca. 8 % gesenkt werden. Ab dem vierten Lebensjahr steigt die Wahrscheinlichkeit einer Entstehung von Mammatumoren wieder. Daher ist eine frühzeitige Kastration zur Prophylaxe der Gesäugetumore entscheidend!


Rüden mit einem kryptorchiden Hoden (d.h. der Hoden ist nicht abgestiegen und befindet sich noch im Leistenkanal oder der Bauchhöhle) oder einem Hodentumor sollten ebenfalls kastriert werden, da die Umgebungstemperatur im Bauchinneren zu hoch für den Hoden ist und er damit leicht zu einem Hodentumor entarten kann.
Bei kastrierten Rüden bleibt die Prostata klein und wird nicht wie beim unkastrierten Rüden im Alter größer. Diese benigne Prostatahyperplasie (gutartige Prostatavergrößerung) verursacht beim Hund Kotabsatzprobleme, da sie auf das Rektum drückt. Für die Wahrscheinlichkeit einer Entstehung von Prostattumoren ist es unerheblich, ob ein Rüde kastriert wurde oder nicht.

Gibt es Alternativen zur chirurgischen Kastration?

Wenn Sie sich unsicher sind, ob sich Ihr Tier nach einer Kastration wirklich im Verhalten positiv ändert, ist eine chemische Kastration ratsam. Beim männlichen Tier erfolgt sie mittelst eines Implantats (ein weniger Millimetergroßer Chip), der unter die Haut des Tieres appliziert wird - wie bei einer Spritze. Nach ca. 4 - 6 Wochen wirkt das Hormonimplantat und das Tier ist für ca. 6 Monate zeugungsunfähig. Die Hoden werden merklich kleiner.

Bei weiblichen Tieren wird eine Hormonspritze nur dann empfohlen, wenn sie zur kurzzeitigen Läufig- bzw. Rolligkeitsunterdrückung gedacht ist, denn sie hat erhebliche Nebenwirkungen wie z. B. die Entstehung eine Gebärmuttervereiterung (Pyometra) oder -entzündung. Wichtig ist auch den richtigen Zeitpunkt der Gabe nicht zu verpassen. Beispiele für eine kurzweilige Läufigkeits- oder Rolligkeitsunterdrückung sind z. B. für Tierhalter von Interesse, die ihre Hündin ausstellen wollen und eine Läufigkeit zu dem Zeitpunkt verhindern möchten. Ein anderer Grund wäre eine längere Reise oder bei Sporthunden ein Rennen, bei der eine Läufigkeit stört.

Welche Nachteile entstehen bei einer Kastration?

Viele Tierhalter schrecken vor einer Kastration zurück, weil ihr Tier dafür in Narkose gelegt werden muss. Kastrationen gehören zu den Routineeingriffen, daher ist das Risiko eines Zwischenfalls sehr gering. Vor jeder Operation wird ihr Tier auf eine Narkosefähigkeit hin untersucht. Bei der Narkoseeinleitung können Sie auf Wunsch dabei bleiben. Die Narkose wird während der Operation ständig kontrolliert und ihr Tier wird bei uns auf der Station unter Beobachtung wieder wach, bevor es nach Hause darf. Nach einer Kastration müssen Sie beachten, dass sich der Stoffwechsel ihres Tieres verändern kann. Das heißt, dass es unter Umständen schneller dick wird. Das ist aber nicht zwangsläufig immer der Fall! Eine Gewichtsreduktion mit energieärmeren Futter ist in diesen Fällen hilfreich. Bei manchen langhaarigen Tieren lässt sich ein Fellveränderung beobachten. Langes Fell wird weich und flaumig und ähnelt einem Welpenfell. Weniger als 5 % der kastrierten Hündinnen leiden später an Inkontinenz. Damit ist ein unkontrolliertes Harnträufeln gemeint, das ein halbes Jahr bis viele Jahre nach der Kastration entstehen kann. Mit gezielter Behandlung lässt sich die Inkontinenz leicht in den Griff kriegen.

Wann sollte ich mein Tier kastrieren lassen?

Wir empfehlen eine Kastration nach dem Erlangen der Geschlechtsreife, also bei der Hündin nach der ersten Läufigkeit und bei der Katze nach der ersten Rolligkeit. Bei Katern wird die Geschlechtsreife durch das Markieren in der Wohnung bemerkt und beim Rüden an dem gesteigerten Interessen an läufigen Hündinnen. Sie tritt unterschiedlich vom Geschlecht und Rasse mit ca. 5- 12 Monaten ein. Weibliche Tiere sind in ihrer Entwicklung schneller als Männchen. Grund dafür, dass Tier erst nach dem Durchlaufen der Geschlechtsreife zu kastrieren ist ein abgeschlossenes Wachstum. Zu früh kastrierte Tiere zeigen meist ein sehr „kindliches Verhalten“. In Einzelfällen, z.B. bei sehr ängstlichen Hündinnen, ist eine Kastration vor der Läufigkeit ratsam, da sie durch das gesteigerte Interesse der Rüden während der Läufigkeit nur noch verunsicherter sind. Hündinnen und weibliche Katzen sollten immer im Anöstrus, also in der Zykluspause kastriert werden, da dann das Ovar und der Uterus weniger stark durchblutet sind und mit weniger Komplikationen gerechnet werden kann. Der Anöstrus ist bei der Hündin ca.10 Wochen nach der Läufigkeit, bei der weiblichen Katze ca. eine Woche nach der Rolligkeit. Bei Rüden und Katern ist der Zeitpunkt egal.

Was muss ich nach einer Kastration beachten?

Sie sollten auf einen zuverlässigen Leck- und Kratzschutz nach der Kastration achten. Bei Katern ist das nicht nötig und bei weiblichen Katzen in der Regel auch nicht nötig. Hündinnen und Rüden sollten Sie ein T- shirt oder Halskragen überziehen. Nach zwei Tagen wird nochmal eine Wundkontrolle vorgenommen und nach 10 Tagen können in der Regel die Fäden gezogen werden. Bei einer Kastration eines Katers werden keine Fäden gezogen.